Auszubildende verzweifelt gesucht

Auszubildende verzweifelt gesucht
©KOFA

Azubis mit Behinderung gegen Fachkräfteengpass

In den vergangenen Jahren ist es für viele kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland immer schwieriger geworden, genügend Auszubildende zu finden. Zudem gibt es auch immer mehr Ausbildungsplätze: Fast 20 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe verzeichnen einen steigenden Bedarf an Nachwuchskräften und wollen dementsprechend auch mehr Azubis einstellen. Der Mangel an jungen Fachkräften verschärft sich also weiter und manche Regionen trifft es besonders hart.

Großunternehmen stehen aufgrund ihrer höheren Bekanntheit bei der Rekrutierung von Auszubildenden zwar etwas besser da, doch auch bei ihnen bleiben Ausbildungsplätze immer öfter unbesetzt: Im Jahr 2017 fand sich für 40.000 Ausbildungsplätze (7,7 Prozent) bei großen Unternehmen kein Bewerber (Bertelsmann-Report „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“).

Offen für neue Wege

In Zeiten des anhaltenden Fachkräfteengpasses können sich Unternehmen, die sich personell breit aufstellen, mittelfristig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Firmen könnten verstärkt jungen Menschen mit Behinderung einen Start ins Berufsleben bieten, um sich den dringend benötigten Nachwuchs zu sichern. Ein knappes Viertel aller ausbildenden Unternehmen stellt Azubis mit Behinderung ein oder hat dies in den vergangenen Jahren getan. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 1.385 Unternehmen, welche das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Rahmen einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) durchgeführt hat.

Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung gemacht haben, zeigen dabei eine deutlich höhere Bereitschaft auszubilden. Auch Erfahrungen mit anderen  Gruppen wie beispielsweise sozial benachteiligten Jugendlichen oder Migranten steigern die Bereitschaft, Azubis mit Behinderung einzustellen.

Der blinde Azubi Daniel Hoß von der Kölner MBE Coal & Minerals Technology GmbH berichtet von seinen Erfahrungen:

Fehlendes Wissen führt zu Unsicherheit

Auffällig ist allerdings, dass gerade der vom Nachwuchsmangel stark betroffene Mittelstand zurückhaltend ist bei der Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung. Viele kleine und mittlere Betriebe scheuen sich vor den damit verbundenen Herausforderungen und Verpflichtungen oder können diese nicht einschätzen. Verschiedene Studien haben zudem gezeigt, dass die Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten für Betriebe und Auszubildende wenig bekannt sind oder diese trotz Bekanntheit nicht in Anspruch genommen werden.

Besonders finanzielle Hilfsleistungen spielen für die Betriebe bei der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber mit Behinderung eine geringere Rolle als man vermuten mag. Zu groß ist die Unsicherheit in zwischenmenschlichen Belangen als dass monetäre Anreize diese aus dem Weg räumen könnten. Für diese Unternehmen ist es wichtiger, dass jemand mit ihnen offene Fragen zu möglichen Problemen und Hemmnissen klärt und geeignete Unterstützung aufzeigt.

Viele kleine und mittlere Betriebe nennen vor allem den fehlenden Kontakt zur Zielgruppe, der Mangel an passender technischer und räumlicher Ausstattung und die Sorge vor einem erhöhten Betreuungsaufwand als Gründe. Auch fehlendes Wissen rund um Behinderungen und Krankheitsbilder tragen bei Arbeitgebern zur Verunsicherung bei.

Mit KOFA gut vorbereitet

Klar ist, dass eine für beide Seiten erfolgreiche Ausbildung von Menschen mit Behinderung eine intensive Beratung im Vorfeld voraussetzt und gut vorbereitet werden muss. KOFA bietet Unternehmen dazu eine Handlungsempfehlung. Diese informiert praxisbezogen u. a. zu diesen Themen:

  • Behinderungsbegriff und Behinderungsarten
  • Rekrutierungswege
  • Bewerberauswahl
  • Ausbildungsgestaltung
  • Fördermaßnahmen
  • Ansprech- und Kooperationspartner

Die Handlungsempfehlung baut auf den Erfahrungen von Unternehmen auf, die bereits Menschen mit Behinderung ausgebildet haben und mit engagierten Fachkräften belohnt wurden.

Gute Gründe, es zu probieren

Wer als Arbeitgeber vor einem Ausbildungsverhältnis mit einem (schwer-)behinderten Menschen zurückschreckt, kann auch zunächst ein Praktikum vorschalten oder eine Probebeschäftigung mit dem Kandidaten vereinbaren. Das REHADAT-Portal Talentplus gibt dazu entsprechende Tipps.

Weitere Infos rund um die Ausbildung und gute Gründe, Jugendliche mit Behinderung für die Fachkräftesicherung zu berücksichtigen, finden Sie zudem hier:

Jugendliche ausbilden (REHADAT)

Förderung bei Ausbildung im Betrieb

Gute Gründe auszubilden, Praxisbeispiele und Videos

 

 

 

Über den Autor: Heike

Heike Knaak

Heike Knaak ist im IW Köln als Referentin im Kompetenzfeld Berufliche Teilhabe und Inklusion tätig.

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