Barrierefreies Internet – was das ist und wem es hilft

Barrierefreies Internet – was das ist und wem es hilft

Menschen mit Behinderungen oder altersbedingten Einschränkungen wird bald der Umgang mit dem Internet erleichtert. Bis Herbst 2018 soll die EU-Richtlinie in allen deutschen Verwaltungen, Gerichten, Finanzämtern, Bibliotheken, Universitäten und Institutionen des Gesundheitswesens umgesetzt werden. Unübersichtliche Webseiten mit schlecht lesbaren Texten und hüpfenden Grafikelementen sollen Schnee von gestern werden.

Worum geht es?

Die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, wird immer mehr zur Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Die in der Richtlinie enthaltenen Anforderungen beschreiben, was erreicht werden muss, damit Nutzer/innen eine Website, eine mobile Anwendung und zugehörige Inhalte wahrnehmen, bedienen und verstehen können. Bedingungen sind zum Beispiel die Verständlichkeit der Navigation, unkomplizierte Eingabemöglichkeiten und die sogenannte „Robustheit“ von Inhalten. Das heißt, dass Inhalte zuverlässig von einer Vielzahl von Zugriffssoftware, einschließlich assistiver Technologien, interpretiert werden können.

Wettbewerbsvorteil für Wirtschaft und Handel

Auch wenn Firmen und Onlineanbieter aus der Privatwirtschaft noch nicht zur Barrierefreiheit verpflichtet sind: Gerade für sie können nutzungsfreundlichere Auftritte einen Wettbewerbsvorteil darstellen. Über das Internet werden Kunden informiert und immer mehr Produkte und Dienstleistungen verkauft. Dabei ist vielen Unternehmen nicht bewusst, dass sie potentielle Kunden ausschließen: Ihre Webangebote stecken voller Hindernisse und sind für Menschen mit Behinderungen oder altersbedingten Einschränkungen kaum nutzbar. Barrierefreie Anwendungen dagegen sind für eine breite Zielgruppe gestaltet und zudem besonders suchmaschinenfreundlich.

Fallstricke und Barrieren

Was verursacht Probleme? An Webseiten mit Behördendeutsch, krauser Sprache und verwirrender Navigation ist sicher jeder schon einmal verzweifelt. Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder Lernschwierigkeiten scheitern erst recht an komplexen Texten, unverständlich formulierten Inhalten und schlecht gemachter Nutzerführung.

Neben Barrieren kognitiver Art sind manche Webseiten aus anderen Gründen sperrig: Kaum zu entziffernde, nicht skalierbare Schriften, zu starke oder zu schwache Farbkontraste, zappelnde Grafik-Elemente schlagen nicht nur Nutzer/innen mit Augenproblemen in die Flucht, sondern nerven alle. Sehbehinderte Menschen sind zudem darauf angewiesen, dass ihnen die Texte auf den Webseiten vorgelesen werden und sie sich mit Hilfe der Tastatur – also ohne Maus – auf den Seiten zurechtfinden können. Viele Websites geben das nicht her.

Hörbehinderte Menschen benötigen bei Audio- und Videodateien Untertitel oder alternative Angebote in der Gebärdensprache. Manche Oberflächen sind wiederum für motorisch eingeschränkte Nutzer/innen schwer zu bedienen und mit steigendem Alter treffen oft mehrere physische Beeinträchtigungen zusammen.

Wer kann helfen?

Unternehmen und Onlineanbieter, die ihren Auftritt besser gestalten wollen oder neugierig sind, wie hindernisreich oder -frei es um ihre Website bestellt ist, finden bei REHADAT Agenturen, die helfen, Barrieren aufzuspüren, zu beseitigen und Webangebote zu optimieren.

Übrigens…

Die EU-Richtlinie schreibt nicht vor, welche Technologien für eine bestimmte Website, bestimmte Online-Informationen oder eine bestimmte mobile Anwendung zum Einsatz kommen sollen. Innovationen werden durch sie also nicht behindert.

Ansonsten ist Deutschland im europäischen Vergleich schon recht gut aufgestellt, was barrierefreie Informationstechnologien betrifft. Seit mehreren Jahren gilt hier bereits die Verordnung zu barrierefreier Informationstechnik (BITV). Allerdings bezieht diese sich nur auf Behörden, die Privatwirtschaft ist davon ausgenommen.

Über den Autor: Heike

Heike Knaak

Heike Knaak ist im IW Köln als Referentin im Kompetenzfeld Berufliche Teilhabe und Inklusion tätig.

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