Braucht ein Unternehmen einen Blog?

Braucht ein Unternehmen einen Blog?

Interview mit Klaus Eck auf der re:publica 2016 in Berlin

Gabi Diedrich: Hallo Herr Eck, Sie sind ein berühmter deutscher Blogger!
Klaus Eck: Jetzt werde ich wieder aufs Bloggen reduziert (lacht).

GD: Was haben Sie denn sonst noch zu bieten?
KE: Ich bin Unternehmensberater, Gründer einer Content-Marketing-Agentur namens d.Tales, mehrfacher Buchautor. Tatsächlich blogge und twittere ich sehr viel, aber eigentlich geht es mir immer darum, den Unternehmen bei ihrer Orientierung zu helfen und ihnen zu zeigen, wie sie mit der neuen digitalen Welt zurechtkommen und der digitalen Disruption entgehen können.

GD: Würden Sie sagen, jedes Unternehmen braucht einen Blog, um mit seinen Stakeholdern zu kommunizieren?
KE: Da stellt sich natürlich die Frage, ob jedes Unternehmen eine Website braucht. Wenn ja, dann braucht es vielleicht auch einen Facebook-Auftritt und einen Blog als Mittel der Kommunikation. Fraglich ist nur, wie dieser Blog zu verstehen ist. Man hat natürlich heute auch die Möglichkeit, ein Magazin in die Website zu integrieren, das blogähnlich ist. Die Frage ist, was macht überhaupt einen Corporate-Blog aus? Ist er ein Fach-Blog oder ein Blick hinter die Kulissen im Unternehmen? Ein Unternehmen kann viele Wege gehen, um sich darzustellen beziehungsweise die Kommunikation zu seinen Stakeholdern aufzubauen. Ich glaube nicht, dass jedes Unternehmen einen Blog braucht, aber denke, dass es vielen nicht schaden würde.

GD: Da kommt man gleich auf das Thema Content-Marketing.
KE: Ja, ein Blog bietet die Chance, meine Themen zum Laufen zu bringen. Ich kann mich inszenieren und zeigen, welche tollen Mitarbeiter ich als Unternehmen habe. Das Problem vieler Firmen ist allerdings, dass sie nicht die Ressourcen haben, um einen Blog aufzubauen und zu betreiben. Oft fehlen die Fertigkeiten des Schreibens oder ein Plan davon, wie Inhalte aufgestellt sein müssen, damit sie ihre Stakeholder erreichen. Und all das ist ein Teil des Content-Marketings, der sicherlich spannend ist, aber ich muss genau wissen, was ich über einen Corporate Blog erreichen will. Ich brauche keinen Blog, wenn ich keine Idee davon habe.

GD: Großes Thema Ressourcen: Brauche ich einen Journalisten im Haus, wenn ich einen Blog initiieren möchte?
KE: Eigentlich sollte jedes Unternehmen journalistische Kompetenz im Haus haben. Ob sie dazu einen Journalisten anstellen müssen, ist eine andere Frage.

GD: Daneben gibt es ja auch immer die Diskussion darüber, ob man überhaupt eine gute journalistische Qualität im Internet bekommt. Oder ob Blogger vielleicht alle nur Freizeitschreiber sind.
KE: Interessant ist, dass sie als Unternehmen heute viel mehr Geld für Journalismus ausgeben, als ein Medienunternehmen dies macht. Wenn ich heute als Journalist drei, vier Tage für ein Unternehmen arbeite, werde ich in der Regel gut dafür bezahlt. Wenn ich aber für ein Medium einen Artikel recherchiere, bekomme ich oft nur 400 Euro für drei Tage Arbeit. Da haben Unternehmen natürlich die Chance, wenn sie gut zahlen, guten Journalismus zu bieten und sich letztlich auch als Medienmarke zu etablieren, wenn sie es wollen.

GD: Kann man als Blogger Geld verdienen?
KE: Als Blogger kann ich Geld verdienen, wenn ich Kompetenzen habe und Inhalte rüberbringe, die für das Unternehmen gut sind. Wenn ich nur ein bisschen zeige, dass ich schreiben kann, ist das natürlich nicht ausreichend. Es geht darum, dass ich ein Thema verstehe und dies im Sinne meines Kunden vermittle. Ich glaube nicht, dass man auf lange Sicht direkt mit Bloggen Geld verdienen kann. Mit einem Reiseblog oder einem Fashion-Blog wird das langfristig nicht unbedingt funktionieren. Man kann es versuchen, ich denke jedoch, als Blogger lässt sich eher Geld über die eigene Fachexpertise verdienen, die man beratend einsetzen oder über Vorträge und Workshops monetarisieren kann. Aber nur vom Bloggen selbst zu leben und sich über Anzeigen oder Sponsoring zu refinanzieren, das schaffen wohl nur die wenigsten.

Haupteinnahme-Quellen von Bloggern

 

 

 

 

 

 

 

GD: Herr Eck, Sie sind jemand, der sich sehr viel mit Trends beschäftigt, der versucht Trends zu erkennen. Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung, wenn man Unternehmen beraten möchte. Wie informieren Sie sich, welche Kanäle nutzen Sie?
KE: Ich nutze sehr intensiv Twitter. Aber Twitter ist für mich nur eine Möglichkeit, Informationen zu finden. Denn von Twitter ausgehend übersetze ich das sehr schnell in Tools wie Pocket oder Flipboard. Dort kann ich mein Wissen vorrätig halten und mit anderen teilen, um darüber die Themen weiterzuentwickeln und in den Austausch zu gehen. Auf Twitter kann ich zum Beispiel sehen, dass ein Thema wie Bots relativ gut anläuft – und zwar bevor ein Zuckerberg seine Keynote hält. Auf Twitter konnte man schon zwei Monate vorher erkennen, dass das Thema Bots ein richtig großes wird, und dass es sich auch zu einem Content-Marketing-Thema entwickelt.

GD: Apropos Themen: Man hat das Gefühl, man wird im Internet von Bloggern und Youtubern zugemüllt mit Themen, die vielleicht gar nicht relevant sind.
KE: Da sprechen Sie den Content Shock an. Wenn Sie zu viele Inhalte bekommen, die nicht tiefgehend sind, dann werden Sie natürlich nicht satt und zufrieden sein, wenn Sie diese Inhalte im Sinne von Content nutzen. Deshalb geht es heute auch für Unternehmen darum, exzellent zu sein und möglichst gute Inhalte anzubieten, damit sie sich von diesem überflüssigen Content-Geröll abheben. Dies aus dem Weg zu räumen ist sehr schwierig und deshalb brauchen Unternehmen unter anderem auch Blogger, Berater und andere Menschen, die einen Pfad durch den Content-Dschungel ebnen, damit man die wirklich wertvollen Dinge entdecken kann. Dafür hat man auf Tools wie Twitter auch die Möglichkeit, den entsprechenden Menschen zu folgen, denn sie kuratieren und zeigen, was sie für lesens-, hörens- und sehenswert halten.

GD: Haben Sie Offline-Hobbys, Herr Eck?
KE: Ich besuche zahlreiche Events wie die re:publica. Ich lese sehr gerne, gar nicht so selten dicke Bücher, die sich noch anfassen lassen, gehe gerne ins Kino. Filme sind meine große Leidenschaft. Spielen sicherlich auch, zu Hause. Brettspiele mag ich.

GD: Herr Eck, vielen Dank für das Gespräch.

Klaus Eck ist Gründer und Geschäftsführer von d.Tales – Member of Eck Consulting Group. Seine Münchner Content-Marketing-Agentur unterstützt Unternehmen bei Konzeption und Realisierung ihrer Social-Media und Content-Marketing-Strategien. Er ist Autor vieler Fachbücher.

Über den Autor: Gabi

Gabi Diedrich

Gabi Diedrich ist Marketing-Spezialistin. Sie kümmert sich um die Social-Media-Kanäle der IW Medien, führt Interviews mit Kollegen und anderen spannenden Gesprächspartnern aus der Medien-Welt und bloggt für die IW Medien. Sie vermarktet unsere Produkte und Dienstleistungen und pflegt die Beziehungen zu unseren Kunden.

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