Das Europa von Morgen – wie ich es sehe

Das Europa von Morgen – wie ich es sehe

Dass sich meine Generation wenig für politische und wirtschaftliche Themen interessiert, ist kein Geheimnis. Doch was denkt die Jugend Europas eigentlich? Was ist ihr wichtig? Was halten die Jugendlichen von der EU? Denken wir alle gleich oder unterscheiden sich unsere Ansichten je nach Land?

Genau das wollte die TUI Stiftung wissen und beauftragte vergangenes Jahr das Marktforschungsinstitut YouGov mit einer Jugendstudie, in der online 6.000 junge Menschen im Alter von 16-26 Jahre befragt wurden. Die Studie wurde in sieben EU-Ländern durchgeführt, in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Polen und Griechenland.

 

Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Fokus

Das Ergebnis: Drei von vier befragten Jugendlichen sehen nicht die gemeinsamen Werte als Kern der Europäischen Union, sondern die wirtschaftliche Zusammenarbeit. So verstehen 76 % der Befragten die EU als wirtschaftliches Bündnis und nur 30 % als Bündnis von Ländern mit gemeinsamen kulturellen Werten.

„Die wertebasierten Bindekräfte Europas wurden lange Zeit für selbstverständlich gehalten. Die Europäische Jugendstudie zeigt, dass diese Selbstverständlichkeit nicht mehr gilt. Ein Europa, dessen Wert vor allem in den Vorteilen des Binnenmarktes gesehen wird, droht austauschbar und beliebig zu werden. Deshalb ist es wichtig, über die gemeinsamen Werte Europas zu diskutieren.“, steht in der Pressemitteilung der TUI Stiftung.

 

Ein geeintes Europa mit gleichen Werten? Nein, für mich nicht!

Das sehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht so. Es gibt meiner Meinung nach kein gemeinsames Europa mit gleichen Werten, denn jedes Land hat seine eigenen ganz speziellen Besonderheiten und ich erlebe immer wieder, wie facettenreich diese Werte sind. Ob auf Reisen, im Freundeskreis oder sogar bei mir zuhause – und das ist auch gut so! Je mehr verschiedene Kulturen es gibt, desto abwechslungsreicher und offener ist Europa. Ist es die Angst, dass wir wirtschaftlich nur aufgrund gemeinsamer Werte gut zusammenarbeiten können oder vielleicht dass andere Handelspartner wie Asien zukünftig bevorzugt werden? Ist es vielleicht die Angst, dass die EU als Idee eines gemeinsamen Europas verfällt, da die Jugend sich anders entwickelt hat und anders denkt? Uns sogar andere Werte wichtiger sind als die, für die die EU eigentlich steht?

Ich verstehe nicht, warum man Europa gemeinsam verflechten will, wenn Europa mit seinen einzelnen Ländern doch so farbenfroh ist und man vieles lernen kann. Dass wir wirtschaftlich gut zusammen arbeiten können, ist doch dabei gar nicht die Frage und es ist völlig in Ordnung, dass die EU eher für die Wirtschaft steht, als für gemeinsame Werte.

Die Umfrage: Mit Mikro und Kamera auf Stimmenfang

Mein Azubikollege Tobias Höver und mich hat es interessiert, wie andere aus unserer Generation darüber denken. Wir haben uns einige Fragen aus der Studie ausgesucht und sind auf die Straße gegangen.

Schaut selbst:

Einige wichtige Ergebnisse der Jugendstudie zu Deutschland:

o   Insgesamt sehen 76 % der Befragten die EU als wirtschaftliches Bündnis und nur 30 % als Zusammenschluss von Ländern mit gemeinsamen kulturellen Werten. In Deutschland stimmten 75 % für ein wirtschaftliches Bündnis (das ist nah am Durchschnitt) und nur 26 % für die der gemeinsamen kulturellen Werte (4% unter dem Durchschnitt). Es war der niedrigste Wert aller befragten Länder. Italien hatte mit 36 % den höchsten Wert.

o   Deutschlands Jugend ist sich ziemlich einig: Nur etwas über ein Viertel (29%) ist der Meinung, die EU solle einige Macht wieder an die nationale Regierung zurückgeben. In Griechenland waren es dagegen 60 %. Nur 18 % der deutschen Jugendlichen stört es auch, dass die EU Einfluss auf die nationale Regierung nimmt. In Griechenland ist es fast die Hälfte der Befragten.

o   Jeder zweite spanische Jugendliche glaubt, sein Land sei abhängig von der EU. In Deutschland ist es nur jeder Zehnte. Nur 9% der deutschen Jugendlichen glauben, Deutschland sei abhängig von der EU. Das sind 21 % weniger als im europäischen Durchschnitt.

o   Nur 9% der deutschen Jugendlichen sehen eine gemeinsame Kultur als Wert der EU. Das ist der niedrigste Wert aller befragten EU-Länder. Der europäische Durchschnitt liegt bei 18 %.

o   11% der polnischen Jugendlichen glauben, dass sie es irgendwann viel besser haben werden als ihre Eltern – 7% sind es bei den deutschen Jugendlichen. Da sind 2 % mehr als der EU-Durchschnitt.

o   In Deutschland liegt die Zustimmung zur Demokratie als beste Staatsform bei 62 %, Spitzenreiter ist die „Wiege der Demokratie“ Griechenland mit 66 %. Schockierend ist eher die Gegenfrage, welche Staatsform besser ist als die Demokratie: 22% – und somit Höchstwert aller befragten EU-Länder – finden, es solle eine Person bzw. eine Partei regieren ohne Kontrolle durch ein Parlament! Dicht dahinter folgt England mit 21%.

Über den Autor: Selina

Selina Sroka

Selina Sroka macht ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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