Das Handy als Entwicklungshelfer

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In Afrika nutzen über 650 Millionen Menschen ein Handy – das sind in absoluten Zahlen mehr als in Europa oder den USA. Die Weltbank fasste es jüngst in einem Bericht prägnant zusammen: „In einigen afrikanischen Ländern haben mehr Menschen Zugang zu einem Mobiltelefon als zu sauberem Wasser, einem Bankkonto oder Elektrizität.“ In Kenia und Indien beispielsweise kann lediglich rund ein Drittel der Bevölkerung gute sanitäre Einrichtungen in der Umgebung nutzen; fast zwei Drittel verfügen dagegen über einen Mobilfunkvertrag, wie Auswertungen von Daten der Weltbank ergaben.

Anschluss an den Rest der Welt
Dem Mobilfunk kommt in diesen Staaten daher eine viel tiefer greifende wirtschaftliche Bedeutung zu als in den Industrieländern. Er stellt in vielen Entwicklungsländern die wichtigste funktionierende Infrastruktur dar. Für die neuen Handybesitzer hat sich der Alltag stark verbessert. Mussten sie früher lange Fußmärsche auf sich nehmen, um Menschen abseits ihres Wohnorts zu erreichen, genügt nun ein Telefonat. Landwirte und Händler finden auf diese Weise neue Abnehmer und Lieferanten. Gleichzeitig bilden die Handynetze die Infrastruktur, auf der immer mehr neue Dienste entstehen, die früher gar nicht möglich gewesen wären. Bestes Beispiel sind die mobilen Geldsysteme. Damit können Menschen, die aus wirtschaftlichen oder geografischen Gründen nie Zugang zu Bankdienstleistungen hatten, am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilnehmen. Weltweit sind nach Angaben der Mobilfunkvereinigung GSMA mehr als 80 Millionen Kunden für solche Handy-Bezahlsysteme registriert. Der mit über 19 Millionen registrierten Kunden erfolgreichste Bankservice für Handys ist der kenianische Dienst M-Pesa. Um den Dienst nutzen zu können, müssen die Kunden lediglich kostenlos ein M-Pesa-Konto bei einem der über 40.000 teilnehmenden Einzelhändler eröffnen. Dort lässt sich auch Geld einzahlen. Per SMS können Kunden dann frei wählbare Beträge an andere Nutzer des mobilen Geldsystems weiterleiten.

Infos für Bauern
Handys ersetzen allerdings nicht nur die Bankfiliale. Immer mehr Schwellen- und Entwicklungsländer nutzen Mobilfunk auch, um die Landbevölkerung mit dringend benötigten Informationen zu versorgen. Ein Beispiel ist die kenianische Handels- und Informationsplattform mFarm: Bauern können sich auf der Plattform mit ihrem Handy über aktuelle Marktpreise informieren. Einen Schritt weiter geht der kenianische Service iCow, der Bauern bei der Viehhaltung unterstützt: Per SMS oder Voicemail-Nachricht erinnert iCow die Bauern, wann sie ihre Kühe melken oder impfen sollten. Zusätzlich bietet iCow Informationen über regionale Tierpfleger, künstliche Befruchtung oder allgemeine Tipps zur Viehfütterung und Milchproduktion. Sowohl die Dateneingabe als auch die Auswertung funktionieren per Sprachnachricht.

Servicewüste mal anders
Auch jenseits der Landwirtschaft gibt der Mobilfunk den Schwellen- und Entwicklungsländern neue Impulse. Beobachten lässt sich das derzeit 60 Kilometer südlich von Kenias Hauptstadt Nairobi: Lange Zeit war hier abgesehen von einer Schnellstraße nur Savanne, nun rollen die Bagger an. Auf 20 Quadratkilometern wird eine neue Stadt aus dem Boden gestampft. Die kenianische Regierung will hier ein attraktives Umfeld für die Hightech-Industrie schaffen. 200.000 Menschen sollen in dem IT-Gewerbepark im Jahr 2030 leben und arbeiten. Das Projekt, das auch „Silicon Savannah“ genannt wird, zeugt von einem neuen Selbstbewusstsein in Kenia. Die IT-Industrie entwickelt sich zum Hoffnungsträger in dem Land, das lange wirtschaftlich abgeschlagen war. Essenziell für den Boom ist die Telekommunikationsinfrastruktur, die sich stetig verbessert. Getragen wird sie in erster Linie von mobilen Technologien.

Komplette Studie: Mobile technologies – The digital fabric of our lives (PDF, englisch)

Über den Autor: Klaus

Klaus Chevalier

Klaus Chevalier leitet die crossmedialen Projekte der IW Medien.

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