Der NRW-Wahlkampf im Social Web – so präsentierten sich die Kandidaten

Der NRW-Wahlkampf im Social Web – so präsentierten sich die Kandidaten
© fdp.de, nrwspd.de, gruene-nrw.de, cdu-nrw.de

Wie man die Sozialen Medien für den eigenen Erfolg arbeiten lässt, scheinen rechte Populisten bislang besser zu verstehen als ihre politischen Gegner. Zum Beispiel US-Präsident Donald Trump: Er zeigte durch seinen von vielen nicht für möglich gehaltenen Wahlsieg, wie wichtig soziale Medien in der Politik geworden sind. Doch während Trump im Wahlkampf eine digitale Wahlkampfmaschinerie für sich arbeiten ließ und pausenlos twittert, zeigte sich im großen Wahljahr in Deutschland zuletzt bei der Landtagswahl in NRW #ltwnrw17, dass die deutsche Politik Social Media noch immer nur sehr begrenzt nutzt. Auf gerade einmal 50.000 Posts kamen die Parteien über alle Kanäle seit Mitte Februar – nicht gerade das Zeug für Followerzahlen im zweistelligen Millionenbereich wie in den USA. Für uns aber ein Grund, das Wahlkampfgeschehen im Social Web näher zu betrachten.

Kleinere Parteien beliebter

Alle Parteien hatten einen Facebook- und einen Twitter-Auftritt. Grundsätzlich schienen sich die kleineren Parteien größerer Beliebtheit in sozialen Netzwerken zu erfreuen. Auch der von der SPD ins Leben gerufene Hashtag „#NRWir“ erzielte mit 1.495 Tweets und 2.797 Instagram-Beiträgen bis zum Vorwahltag nur wenig Resonanz. Auf die meisten Fans bei Facebook kamen die AfD (39.100) und die Grünen (22.400). Bei Twitter lagen die Piraten (22.100) und die Grünen (12.300) vorne. Alle Parteien waren auch auf Instagram. Oft waren die Kanäle jedoch vernachlässigt, wurden erst kurz vor der Wahl erstellt und kaum abonniert. Die meisten Fans hatten hier die Grünen (1.100) und die Linke (800). Das relativ junge Snapchat dagegen wurde nur von den Linken und Piraten bespielt. Zählt man alle Kanäle zusammen, zeigt sich, dass das Polarisieren mit steilen Thesen offenbar auch in NRW zog: Die AfD kam auf die meisten Fans (42.800). Danach folgten mit den Grünen (35.900) und der FDP (29.900) zwei der etablierten, weltoffeneren Parteien.

Persönliche Einblicke ziehen

Erfolgreicher agierten die Kandidaten der Parteien. Auch hier waren ein Facebook- und ein Twitter-Profil Standard, Instagram nutzten immerhin noch Christian Lindner (FDP), Hannelore Kraft (SPD) und Marcus Pretzell (AfD). Bei Youtube waren nur noch Hannelore Kraft und Marcus Pretzell vertreten, Snapchat nutzte keiner der Kandidaten. Insgesamt zeigte sich die FDP mit Christian Lindner am reichweitenstärksten. Über alle Kanäle hatte der Spitzenkandidat rund 227.400 Fans – mehr als doppelt so viele wie Hannelore Kraft und sogar zehnmal so viele wie Armin Laschet (CDU).

Lindner lag sowohl auf Facebook als auch auf Twitter und Instagram vorne. In rund 40 Prozent aller Posts zur Landtagswahl wurde er laut dem Fachportal OnlineMarketing.de erwähnt. Auch seine knapp 15.000 Follower bei Instagram belegten, dass seine Strategie aufging. Zum Vergleich: Kraft hatte hier 849 Follower, Laschet 392. Lindner gab sich persönlich, zeigte sich beim Sport, teilte Fotos mit Fans und gestand seine Leidenschaft für Autos und Kaffee. Hannelore Kraft hatte auf allen Plattformen mit 110.000 Fans mehr Reichweite als Armin Laschet (20.100), der sich hinter Markus Pretzell (31.300) einordnen musste. Als einzige Spitzenkandidatin verfügte sie über einen Youtube-Kanal. Auch dort wurde es persönlich mit Einblicken in ihren Alltag, von ihr selbst aufgenommen.

Jungwähler im Netz abholen

Neue Wähler machen die Präsenz von Parteien und Politikern im Sozialen Netzwerk künftig noch wichtiger. Armin Laschet hat sich trotz geringer Online-Fangemeinde zwar durchsetzen können. Doch mit jedem Jahr darf eine weitere Generation internetaffiner Jugendlicher wählen – alleine dieses Jahr setzten rund 840.000 junge Menschen erstmals ihr Häkchen. Die holt man nicht mehr in den Fußgängerzonen ab, sondern in ihrem digitalen Umfeld – und das besteht längst nicht mehr nur aus Facebook. Umso wichtiger wird es daher, auf einer Vielzahl von Kanälen wie Snapchat und Youtube regelmäßig präsent zu sein und die Zielgruppen persönlich, oft auch emotional anzusprechen. Die Möglichkeiten dazu werden immer vielfältiger, wie Live-Streams (https://blog.iwmedien.de/live-videos-der-neue-trend-in-der-social-media-community/) und andere neue Tools zeigen.

Die Social Media Kanäle der Parteien im Überblick

SPD

Twitter: https://twitter.com/nrwspd?lang=de
Facebook: https://de-de.facebook.com/nrwspd/
Instagram: https://www.instagram.com/nrwspd/

CDU

Twitter: https://twitter.com/CDUNRW_de?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/CDUnrw/
Instagram:https://www.instagram.com/cdunrw/

FDP

Twitter: https://twitter.com/fdp_nrw?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/fdpnrw/
Instagram: https://www.instagram.com/fdpltf_nrw/?hl=de

Bündnis 90/Die Grünen

Twitter: https://twitter.com/gruenenrw?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/gruenenrw/
Instagram: https://www.instagram.com/gruenenrw/?hl=de

Die Linke

Twitter: https://twitter.com/dielinkenrw?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/dielinke.nrw/
Instagram: https://www.instagram.com/dielinke_nrw/

Piraten

Twitter: https://twitter.com/piratennrw?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/PiratenparteiNRW/
Instagram: https://www.instagram.com/piratennrw/

AFD

Twitter: https://twitter.com/alternativenrw?lang=de
Facebook: https://www.facebook.com/AfDfuerNRW/
Instagram: https://www.instagram.com/afdnrw/

Über den Autor: Simon

Simon Barth

Simon Barth war bei der IW Medien tätig. Er hat seine eine Ausbildung zum Medienkaufmann Print/Digital erfolgreich absolviert.

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