Die entspannte Jugend – ein dickes Brett

Die entspannte Jugend – ein dickes Brett

Nachwuchs ist Zukunft. Guter Nachwuchs, gute Zukunft. Was so logisch klingt, bereitet in der Umsetzung Probleme und den Unternehmen der deutschen Wirtschaft Kopfschmerzen. Denn die Jugend hierzulande wird knapp und die unternehmerische Herausforderung durch voranschreitende Globalisierung und steigendes Innovationstempo üppig. Die Wirtschaft buhlt, die Jugend bleibt cool. So cool, dass Jugendforscher schon von der „Generation R“ sprechen, den Relaxten.

Unternehmen legen sich mächtig ins Zeug: Ihre Kreativität bei der Entwicklung von Events, die der Jugend das Unternehmensinnere nahebringen sollen, ist grenzenlos: „Schüler im Chefsessel“, „Nachtschicht“,  „Techniktage“ oder „Unternehmensrallye“. Die Betriebe präsentieren sich und ihre Berufe heute locker, spielerisch und zum Anfassen – sie kreieren echte Live-Erlebnisse für die Jugend.  Auch die Arbeitgeberverbände verstärken inzwischen spürbar ihre Mission, die Bildungs- und Nachwuchsarbeit ihrer Mitgliedsbetriebe zu unterstützen.

Medienübergreifende Kampagnen holen den potenziellen Fachkräftenachwuchs dort ab, wo er ist: mit Gewinnspielen und Videos, am Smartphone, interaktiv auf Facebook, Snapchat oder Instagram. Von da ist es nicht mehr weit bis zur eigenen Internetplattform, bis zum persönlichen Kontakt mit einem Verbandsexperten oder Ausbildungsleiter.

Woran es aber wirklich liegt, dass Nachwuchsgewinnung und -sicherung für viele Unternehmen eine der anspruchsvollsten Aufgaben der nächsten Jahre sein dürfte, ist – wie immer – in einem Satz nicht zu erklären.  Ein bisschen der demografische Wandel, ein bisschen die stärkere Studierneigung der Jugendlichen, vereinzelt die immer noch mangelnde Ausbildungsreife – aber vor allem auch eine Haltung der Youngster, die anspruchsvoller und wählerischer ist als früher.

Das belegt die neue Shell-Jugendstudie 2015. Danach wünschen sich Jugendliche Berufe mit interessantem und erfüllendem Tätigkeitsprofil, aber auch Flexibilität und Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass Familie und Kinder bei der Arbeit nicht zu kurz kommen dürfen. Für vier von fünf Befragten ist es wichtig, dass sie ihre Arbeitszeit kurzfristig an ihre Bedürfnisse anpassen können.

Das alles führt dazu, dass Lehrstellen hier und da noch unbesetzt bleiben. Und weil die Heranwachsenden das gesteigerte Werben der Wirtschaft natürlich mitkriegen, bleiben sie entspannt. Dennoch: Die Aktivitäten einzustellen, bedeutet, das Feld den Wettbewerbern überlassen. Also: Werkzeugkiste auf und ran ans dicke Brett der Nachwuchsarbeit!

 

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Über den Autor: Thomas

Thomas Docter

Thomas Docter entwickelt und steuert als Redakteur und Projektleiter Media bei der IW Medien kommunikative Lösungen und Kampagnen. Dabei geht es zum einen darum, die oft komplexen Themen für Zielgruppen zu verdichten und verständlich zu machen – und dann auch den passenden Media-Mix für die Botschaft zu finden. Auf neue Ideen kommt er laufend. Oder radelnd.

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