Mit textilen Innovationen an die Spitze

Mit textilen Innovationen an die Spitze
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Bis Anfang des letzten Jahrhunderts war die Textilindustrie Deutschlands größter Wirtschaftszweig. Die mehr als 80.000 Fabriken und die rund 160.000 kleinen Heimbetriebe beschäftigten eine Million Mitarbeiter – rund 10 Prozent aller gewerblichen Arbeitskräfte. Auch bei der Ein- und Ausfuhr waren Textilien laut Meyers Lexikon von 1905 die Nummer eins.

Heute ist die Textil- und Modeindustrie immerhin noch die zweitgrößte Konsumgüterbranche. Die 130.000 Beschäftigten in den deutschen Betrieben erwirtschaften einen Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro. Die Unternehmen stellen eine Fülle von Produkten für drei Anwendungsbereiche her.

  • Heimtextilien: Bade- und Küchentücher, Tisch- und Bettdecken, Gardinen, Deko- und Möbelstoffe, Spitzen, Stickereien, Teppiche und alle möglichen Accessoires, die das Wohnen angenehmer machen.
  • Technische Textilien: flammhemmende Stoffe für die Sitze in allen Verkehrsmitteln, Sicherheitsgurte, Airbags, Planen, Armierungsgewebe, Dämmstoffe, Operationstücher, Fallschirme, Segel, die Dachhaut für Fußballarenen.
  • Bekleidung: alles aus Stoff, was Frau, Mann und Kind von Kopf bis Fuß bei der Arbeit, beim Sport und in der Freizeit anziehen – modische Artikel ebenso wie Sicherheitskleidung und -schuhe. Dazu Gürtel, Taschen und Koffer.

Das größte Problem der Branche sind die Löhne. Eine Arbeitsstunde kostet in China und der Türkei weniger als 3,50 Euro, in Bulgarien weniger als
2 Euro und auf den Philippinen nur gut 1 Euro. Hierzulande sind pro Stunde aber 28 Euro fällig.

Gegen die Massenprodukte aus Südosteuropa oder Fernost können die deutschen Hersteller nicht bestehen. Ihre Nische sind Spezialitäten und Artikel im oberen Preissegment. Manche unterhalten eigene Produktionsstätten im Ausland, andere lassen ihre Kollektionen in den Billigländern fertigen.

Nach Angaben des Textileinzelhandelsverbands gibt Erika Mustermann pro Jahr rund 800 Euro für Bekleidung aus, Otto Normalverbraucher begnügt sich dagegen mit 430 Euro. Allenfalls 10 Prozent der Sachen, die von den Modeketten verkauft werden, sind tatsächlich noch gänzlich „made in Germany“. Pro Jahr importiert Deutschland Kleidungsstücke im Wert von 28,5 Milliarden Euro – Stunde für Stunde macht das Einfuhren in Höhe von 3,3 Millionen Euro.

Bei den technischen Textilien dagegen ist Deutschland Weltmarktführer. An den bundesweit 17 Textilforschungsinstituten arbeiten 1.200 Experten daran, dass das auch so bleibt. Textile Photovoltaik-Module und Textilbeton, Gewebebandagen für marode Brücken und für Bauten in Erdbebengebieten, heizende Wände und selbstreinigende Teppiche oder Oberbekleidung, die Energie speichert, leuchtet, den Blutdruck misst und im Ernstfall Alarm schlägt: Viele innovative Ideen sind in der Mache, einige wird es schon bald geben.

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Über den Autor: Annett

Annett Michalski

Annett Michalski ist Marketing-Spezialistin. Sie betreut die Website der IW Medien, die Social-Media-Kanäle und den Blog. Sie organisiert Veranstaltungen und macht sich Gedanken über neue Produkte und Dienstleistungen. Sie treibt viel Sport, weil sie gerne isst und sie liebt Tansania.

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