Mode als Beruf

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„Was mit Mode …“ Dieser eher vage Berufswunsch schwirrt wohl so manch einem modebegeisterten jungen Menschen im Kopf herum – und tatsächlich hat die Branche so viele Berufsbilder im Angebot, dass fast jeder fündig werden dürfte. Es gibt klassische und modespezifische, technische und kaufmännische sowie industrielle und handwerkliche Ausbildungsberufe.

Die Unternehmen brauchen laut einer Umfrage des Fachmagazins TextilWirtschaft momentan vor allem Verkäufer und Verkäuferinnen – 70 Prozent der Modefirmen haben hier Bedarf. Zwei Drittel der hiesigen Modeunternehmen suchen zudem Einkäufer und gut die Hälfte braucht E-Commerce-Spezialisten.

Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion, dem Verband der deutschen Modehersteller, stellte kürzlich im Interview mit dem Magazin „TextilWirtschaft Young Professionals“noch eine andere Profession heraus: „Die Branche sucht dringend gut ausgebildetes Technikpersonal in allen Bereichen. Die Chancen für junge Bekleidungsingenieure oder Bekleidungstechniker, die auch bereit sind im Ausland zu arbeiten, sind hervorragend.“

Vor allem aber der Online-Bereich wächst derzeit rasanter, als entsprechende Experten ausgebildet werden. Wer hier einsteigen will, braucht in der Regel ein Studium, beispielsweise Informatik oder klassische Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing.

Doch auch wenn der Boom des Online-Handels derzeit neue Karriereperspektiven eröffnet, Fakt ist, dass die Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland seit Jahren schrumpft. Und das ist am Arbeitsmarkt keineswegs spurlos vorübergegangen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Textil-, Leder und Bekleidungsberufen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als 65.000 auf heute rund 95.500 Arbeitnehmer verringert. Zwar ist parallel dazu auch die Arbeitslosigkeit unter den Textil- und Bekleidungsfachkräften zurückgegangen, im Jahr 2011 lag sie aber mit 12,8 Prozent nach wie vor deutlich über der bundesdurchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent. Hinzu kommt: Auch die Verdienstperspektiven sind in der Modebranche eher unterdurchschnittlich: Der mittlere Monatslohn von Vollzeitbeschäftigten mit Textilberuf lag 2011 knapp unter 2.000 Euro – im Berufsfeld Chemie- und Kunststoffverarbeitung beispielsweise ließen sich im Schnitt über 2.800 Euro verdienen. Das liegt auch daran, dass der Anteil der Hochschulabsolventen in den Modeberufen unter 1 Prozent liegt, dafür aber fast jeder vierte keine abgeschlossene Berufsausbildung hat.

Wunschberuf Mode – der Einstieg

Ganz gleich ob Abitur oder Hauptschulabschluss, die Textil-und Bekleidungsindustrie hat für jeden und jede passende Ausbildungsberufe im Angebot. Genauer über die Berufsbilder und die Ausbildungsvoraussetzungen informiert das Portal „Go Textile!“ des Gesamtverbands textil +mode unter www.gotextile.de. Ein paar Beispiele:

  • Industrielle Ausbildungsberufe mit Branchenbezug sind etwa Modeschneider/in, Textillaborant/-in und Textilreiniger/-in.
  • Weitere Ausbildungsberufe in Industrie und Handel, die einen Einstieg in die Modewelt ermöglichen, sind unter anderem Einzelhandelskauffrau/-mann, Industriekauffrau/-mann, Fachkraft für Lagerlogistik, Mediengestalter/-in und Fachinformatiker/-in.

Schülerinnen und Schüler, die Do-It-Yourself-affin sind, sich gut vorstellen können, einmal der eigene Chef zu sein, und eine solide Grundlage für kreatives Arbeiten legen möchte, sollten sich die Handwerksberufe aus dem Textil- und Bekleidungsbereich näher anschauen: Alle infrage kommenden Ausbildungen gehören zu den zulassungsfreien oder den handwerksähnlichen Gewerben, in denen das Führen eines Betriebs auch ohne Meisterbrief zulässig ist. Im Aufwind sind derzeit die Maßschneider:

Im Jahr 2013 gab es genau 10.738 Maßschneidereien – 1.400 mehr als 2010. Die Zahl der Änderungsschneider hat dagegen um rund 1.000 Betriebe auf gut 14.000 abgenommen.

Andere Handwerksberufe aus dem Modebereich sind zum Beispiel Modisten (Herstellung von Kopfbedeckungen), Textilgestalter, Stoffmaler, Theaterkostümnäher.

Klassisches Modedesign kann man an einer Berufsfachschule lernen und erhält dann den Abschluss „Staatlich geprüfte/r Modedesigner/in, oder man studiert es an einer Hochschule. Wer sich der Modebranche auf akademischem Weg nähern möchte, hat neben der kreativen Schiene weitere Möglichkeiten: Es gibt technische Studiengänge wie Bekleidungstechnik, betriebswirtschaftliche wie Mode- und Textilmanagement und auch Modejournalismus ist eine Option.

Natürlich kann man auch ganz normal Betriebswirtschaftslehre oder Wirtschaftsingenieurwesen studieren, sich währenddessen via Praktika in Richtung Mode orientieren und nach dem Abschluss über ein Trainee-Programm in eine größere Modefirma einsteigen.

Keine Scheu sollte jemand mit Berufswunsch Mode vor der Selbstständigkeit oder einer freiberuflichen Tätigkeit haben – für Modefotografen und Stylisten beispielsweise führt daran oft kein Weg vorbei.


Link-Tipps:

Mehr zum „Wirtschaftsfaktor Mode“ in der druckfrischen Ausgabe Nr. 139 der Reihe „Thema Wirtschaft“

Go Textile!: Webangebot des Gesamtverbands textil + mode zu Modeberufen sowie Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten unter: www.go-textile.de

TextilWirtschaft Young Professionals: Sonderausgabe der TextilWirtschaft für Berufseinsteiger in der Modebranche, abrufbar als E-Paper

„Modeopfer 110“: Die Rubrik „Karriere“ des Mode-Portals bietet eine Fülle von Infos zu Modeberufen, Ausbildung, Jobsuche und Selbstständigkeit

Quelle Foto, © Vladyslav Bashutskyy, fotolia.com

Über den Autor: Irina

Irina Berenfeld

Irina Berenfeld ist Redakteurin im Bereich Wirtschaft und Bildung der IW Medien.

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