Mutti, was geht App?

Mutti, was geht App?

Meine Mutter – von meiner Schwester und mir liebevoll Mutti genannt – ist 67 Jahre alt. Mutti hat ein Notebook, ein iPhone und ein iPad. Sie sucht nach Informationen im Netz, sie liest Blogs, sie shoppt, sie schreibt E-Mails, sie schaut Strick- und Nähanleitungs-Videos bei Youtube an – gerne auch in Niederländisch oder Französisch, obwohl sie diese Sprachen gar nicht spricht. Sie redet und telefoniert gerne, auch über Skype, sie schreibt täglich Nachrichten über Whatsapp, sie lädt Fotos im Internet hoch und Apps herunter und sie ist auf Facebook aktiv. Kurzum meine Mutti ist im Umgang mit dem Internet anscheinend doch ein „reflektierter Profi“.*

Auf Facebook ist sie begeisterter Fan von „Haus mit dem Rosensofa“ – einer Community, die Näh-Interessierte zusammenführt und Schnittmuster nach Liken der Seite kostenfrei zur Verfügung stellt. Sobald das Muster vorliegt, fertigen Fans wie meine Mutter daraus Handytaschen, Tablet-Taschen, Handtaschen, Beutel oder Geldbörsen. Die fertigen Kreationen, die übrigens so lustige Namen tragen wie „Lizz Moneypenny, Friemelstilo oder Leseknochen“, werden auf der Seite präsentiert, mit „Gefällt mir“ belohnt und mit Freunden geteilt.

Ist meine Mutter nun ein typischer Internetnutzer ihrer Generation?

Achtung, jetzt kommen ein paar Zahlen: Laut Studie des Branchenverbands BITKOM ist das Internet für viele Senioren unverzichtbar. Demnach schreiben neun von zehn (91 Prozent) E-Mails, acht von zehn informieren sich über das Zeitgeschehen und zwei von drei (68 Prozent) über Gesundheitsfragen. Gut die Hälfte (57 Prozent) kauft Waren im Internet, jeder Vierte (26 Prozent) chattet mit der Familie oder schaut Videos und Filme (23 Prozent). Es gibt aber auch viele ältere Menschen, die bewusst auf das Internet verzichten. Zwei von drei (66 Prozent) sagen, dass sie das Internet nicht brauchen. Zwei von fünf (41 Prozent) möchten sich im Alter nicht mehr damit beschäftigen. Allerdings hat fast jeder Zehnte (9 Prozent) laut eigener Aussage niemanden, der ihm das Internet zeigen könnte.

Ich halte fest: Meine Mutter ist kein typischer Internetnutzer ihrer Generation, aber auch kein untypischer. Während immer mehr Jugendliche auf Netzwerke wie Facebook verzichten, entdecken viele Senioren gerade erst das Mitmach-Internet. Bei uns zu Hause kommt es häufiger vor, dass meine Mutti von ihrer 16jährigen Enkeltochter am Frühstückstisch freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen wird, die elektronischen Devices endlich zur Seite zu legen: „Oma, wir essen jetzt! Chatten kannst du später!“

(*Dies ist ein Begriff aus der Internetstatistik. Ein reflektierter Profi ist eigentlich männlich, durchschnittlich 41 Jahre alt und gut ausgebildet. Mit dem Internet setzt er sich zielgerichtet und kritisch auseinander. Der Profi geht im Web auf Recherche oder vergleicht Preise.)

Senioren in der digitalen Welt

Über den Autor: Annett

Annett Michalski

Annett Michalski ist Marketing-Spezialistin. Sie betreut die Website der IW Medien, die Social-Media-Kanäle und den Blog. Sie organisiert Veranstaltungen und macht sich Gedanken über neue Produkte und Dienstleistungen. Sie treibt viel Sport, weil sie gerne isst und sie liebt Tansania.

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