Nur noch Einheitsbrei – Deutschlands Köche werden rar

Nur noch Einheitsbrei – Deutschlands Köche werden rar

Küchenschlacht, Topfgeldjäger, Kochprofis und wie sie alle heißen. Wenn wir durch die TV-Programme zappen, läuft – zumindest gefühlt – immer irgendwo eine Kochshow. Während Lafer, Lichter, Schuhbeck & Co. die Fernsehküchen voller Enthusiasmus bevölkern, sieht es in der Realität anders aus. Die Branche hat Nachwuchssorgen: „Die Ausbildungszahlen haben sich bundesweit innerhalb von wenigen Jahren halbiert“, sagt Andreas Becker, Präsident des Verbands der Köche Deutschlands mit Sitz in Frankfurt. Im vergangenen Jahr waren rund 63.000 in der Ausbildung (2007 waren das noch 107.000). Jeder vierte bricht seine Lehre ab. Gründe für Rückgang und Abbruchquote seien zum einen die schlechte Bezahlung (1.200 Euro brutto im Monat für einen ausgebildeten Koch) und die Arbeitszeiten am Wochenende, abends und an Feiertagen. Der Verbandsvorsitzende warnt sogar vor einem Restaurantsterben, wenn sich nichts ändert. Oder es würden Nicht-Fachkräfte eingesetzt und dann gäbe es nur noch Einheitsbrei.

Um der Ausbildung ein positiveres Image zu verpassen, tut der Verband viel. Er gibt die Informationsbroschüre „Der schönste Beruf der Welt“ heraus, bietet Fördermöglichkeiten an und unterstützt Wettbewerbe wie „Next Queen of Cuisine“. Hier können sich junge Köchinnen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren für Deutschlands neuen Nachwuchs-Award bewerben.

Übrigens: Die Industrie wartet mit intelligenter Technik auf, die den Köchen Arbeit erspart – und bares Geld: Zum Beispiel die Übernacht-Garung. Für Großküchen lohnt sich das schon mal. Andreas Becker erklärt: „Wenn ich für ein Altenheim 40 Kilo Fleisch zubereite, dann spare ich fünf Kilo davon, wenn ich es über Nacht bei 75 statt bei 180 Grad gare.“ In 200 Tagen, so rechnet der Koch vor, seien das eine Tonne Fleisch und 1.000 Euro.

Infos zum Berufsbild Koch/Köchin gibt es auch auf unserem Berufeportal beroobi.de

Über den Autor: Tina

Tina Schilp

Tina Schilp ist Redakeurin im Bereich Arbeitnehmermedien der IW Medien.

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