Pendler-Story: Sandra – Zugführerin aus Leidenschaft

Pendler-Story: Sandra – Zugführerin aus Leidenschaft
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Wie häufig kommt es wohl vor, dass man den Vornamen seiner Zugführerin erfährt? Ich vermute, die Fahrt mit Sandra war etwas Besonderes.

Letzten Dienstag verließ ich meinen Arbeitsplatz pünktlich, um mit der MRB um 16.56 Uhr nach Bonn zu fahren. Soweit so gut. Bis zum Bahnhof Hürth-Kalscheuren. Denn hier blieb der Zug stehen. Dann kam Sandra mit ihren Durchsagen ins Spiel:

„Meine Damen und Herren, liebe Fahrgäste…

  • …schon bei der Anfahrt auf Hürth konnte ich am Signal erkennen, dass hier etwas nicht stimmt. Aber was, weiß ich noch nicht.“
  • …ich habe gerade eine E-Mail aus der Zentrale in Duisburg bekommen, dass wir in Hürth auf unbestimmte Zeit stehen werden. Noch habe ich keine weiteren Informationen.“
  • …wer gerne rausgehen und eine rauchen möchte, kann dies tun. Ich sage Bescheid, wenn es weiter geht.“
  • …gerade höre ich, dass es im vorausfahrenden Zug einen Diebstahl gegeben hat. Was genau passiert ist, weiß ich noch nicht. Ich melde mich, sobald ich näheres erfahre.“
  • …ist denn zufällig jemand an Bord, der sich hier in Hürth auskennt und weiß, wie man zur nächsten Straßenbahnhaltestelle kommt? Wenn ja, möge er/sie sich doch bitte bei mir, der Zugführerin Sandra, melden.“
  • …leider habe ich keine guten Nachrichten. Wir können die Fahrt nicht fortsetzen. Die Strecke ist durch die Polizei komplett gesperrt. Ein Helikopter mit Wärmebildkamera ist unterwegs. Die Diebe befinden sich noch auf dem Bahnhofsgelände. Bei mir ist nun ein netter junger Mann, der Ihnen sagt, wie Sie zur nächsten Straßenbahnhalte kommen.“ Der Mann beschrieb den Weg zur Straßenbahn. Die meisten Leute stiegen aus und machten sich auf den Weg. Ich blieb sitzen und lauschte weiterhin Sandras Ausführungen.
  • …ich höre gerade, dass wir zurück nach Köln fahren. Wir werden in den nächsten Minuten den „Kopf“ des Zuges verändern. Und dann geht es auch schon zurück nach Köln. Bitte verzeihen Sie die Umstände. Es tut mir sehr leid. So habe ich mir das alles auch nicht vorgestellt.“ Sandra wurde nun für alle sichtbar. Sie lief von einem Ende des Zuges zum anderen. Sie war relativ groß und hatte längere, wellige Haare.
  • …so, wir sind soweit. Alles ist vorbereitet. Jetzt geht es zurück nach Köln. Zunächst fahren wir aus dem Hürther Bahnhof raus und dann auf einem anderen Gleis wieder rein, dann halten wir kurz und dann brausen auf direktem Weg zurück nach Köln.“

Die Fahrt von Köln nach Hürth (Entfernung: 11 km) und wieder zurück dauerte ca. eineinhalb Stunden. Aufgrund der andauernden Streckensperrung entschied ich mich, mit der Straßenbahn von Köln nach Bonn zu fahren. Diese „Sightseeing-Tour“ mit über siebzig Haltestellen zog sich ebenfalls eine Stunde und zwanzig Minuten hin. Alles in allen habe ich für die Fahrt von Köln nach Bonn (Entfernung: ca. 30 km) dreieinhalb Stunden gebraucht. Aber nichts gegen Sandra. Mich zumindest hat sie mit ihrer regen Kommunikation bei Laune gehalten.

Über den Autor: Annett

Annett Michalski

Annett Michalski ist Marketing-Spezialistin. Sie betreut die Website der IW Medien, die Social-Media-Kanäle und den Blog. Sie organisiert Veranstaltungen und macht sich Gedanken über neue Produkte und Dienstleistungen. Sie treibt viel Sport, weil sie gerne isst und sie liebt Tansania.

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