Plagiat: Wie können Sie eine Urheberrechtsverletzung vermeiden?

Plagiat: Wie können Sie eine Urheberrechtsverletzung vermeiden?
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Von einem Plagiat wird gesprochen, wenn ein fremdes Werk ganz oder teilweise als eigenes ausgegeben wird. Dem Schweizer Rechtswissenschaftler und Professor für Strafrecht, Strafverfahrensrecht und Kriminologie Christian Schwarzenegger zufolge gibt es verschiedene Plagiatsformen:

●        Ghostwriting: Wenn Sie jemanden bezahlen, der Ihnen einen Text schreibt, den Sie anschließend als Ihren eigenen ausgeben.

●        Vollplagiat: Wenn Sie ein komplettes Werk als Ihr eigenes ausgeben.

●        Selbstplagiat: Wenn Sie einen und denselben Text, den Sie verfasst haben, zu verschiedenen Prüfungsanlässen einreichen.

●        Übersetzungsplagiat: Wenn Sie fremdsprachige Texte übersetzen und diese unter Ihrem eigenen Namen veröffentlichen oder einreichen.

●        Copy-and-paste-Plagiat: Wenn Sie Teile eines fremden Textes übernehmen, ohne die Quelle anzugeben.

●        Paraphrasierungsplagiat: Wenn Sie einen fremden Text übernehmen, diesen etwas umformulieren und anschließend als Ihren eigenen ausgeben.

Wie können Sie eine Urheberrechtsverletzung vermeiden? Wie sollen Sie sich verhalten, wenn Sie versehentlich ein Plagiat veröffentlicht haben? Was können Sie tun, wenn Ihr Urheberrecht verletzt wurde?

Wie kann ich die Gefahr eines Plagiats vermeiden?

Um ein Plagiat zu vermeiden, müssen Sie zunächst begreifen, warum Sie fremdes Wissen belegen müssen, indem Sie zitieren und die Quellen angeben. Damit eine kritische Auseinandersetzung mit Ihren Gedanken möglich ist, müssen Ihre Thesen überprüfbar sein. Nur Allgemeinwissen muss nicht belegt werden.

Um Übersetzungs- und Paraphrasierungsplagiate zu vermeiden, sollten Sie sich beim Lesen stets Notizen machen, vor allem, wenn Sie viele Texte als Quellen benutzen. Häufig kommt es dann vor, dass Sie beim Schreiben fremdes Wissen mit Ihren eigenen Gedanken verwechseln und somit versehentlich plagiieren. Vermeiden Sie auch unbedingt, bei fremden Texten Copy-and-paste zu machen. Geben Sie vielmehr Fachwissen in eigenen Worten wieder.

Wenn Ihre Arbeit vollständig geschrieben ist, überarbeiten Sie diese inhaltlich gründlich. Achten Sie auf eine einheitliche Formatierung und einen durchgängigen Schreibstil. Außerdem müssen Sie die Zitierregeln beachten und diesen genau befolgen.

Was kann ich tun, wenn ich unwissentlich ein Plagiat veröffentliche?

Wenn Ihnen eine Urheberrechtsverletzung zur Last gelegt wird und Sie eine Abmahnung bekommen, sollten Sie zunächst Ruhe bewahren und gegebenenfalls einen Anwalt aufsuchen, der mit Ihnen die Abmahnung überprüft und Sie umfassend berät.

Nehmen Sie des Weiteren die Fristen ernst, die in der Abmahnung genannt werden, dadurch können Sie eine Klage und weitere Kosten vermeiden. Können Sie zu den Terminen nicht erscheinen, können Sie einen Antrag auf Fristverlängerung stellen.

Es ist ratsam, die Unterlassungserklärung nicht einfach zu unterschreiben, sondern zu überprüfen, ob die Forderungen angemessen sind. Der Anwalt kann Ihnen helfen, eine modifizierte Unterlassungserklärung aufsetzen und die Beträge anpassen.

Was soll ich tun, wenn mein Urheberrecht verletzt wurde?

Wenn Sie Ihren Text auf einer fremden Homepage entdecken, ist es zunächst ratsam, dass Sie die Beweise sichern, indem Sie einen Screenshot mit Datum anfertigen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie über Ihren eigenen Text verfügen und beweisen können, dass es sich dabei um das Original handelt.

Im nächsten Schritt müssen Sie die Person feststellen, die Ihr Urheberrecht verletzt hat, um Ihre Forderungen an diese übersenden zu können. Überprüfen Sie zudem, ob es sich bei dem Schädiger um eine Privatperson oder ein Unternehmen handelt, welches Ihren Text ohne Ihre Zustimmung gewerblich nutzt.

Ist der Schädiger ein Unternehmen, ist der Streitwert zwar höher, aber die Angelegenheit lässt sich wesentlich komplizierter regeln. Es empfiehlt sich deshalb, einen Anwalt zu konsultieren und sich beraten zu lassen.

Wenn Sie grundsätzlich damit einverstanden sind, dass Ihr Text auf einer fremden Homepage veröffentlicht wird, können Sie der Person oder dem Unternehmen eine Rechnung schicken und die Nutzungsrechte im Nachhinein übertragen.

Sind Sie jedoch mit der Veröffentlichung Ihres Werkes nicht einverstanden, können Sie eine Abmahnung schicken und den Schädiger damit dazu zwingen, das Material zu entfernen. Darüber hinaus können Sie in der Abmahnung eine Schadensersatzforderung verlangen, insbesondere, wenn der Rechtsverletzer Ihre Kreativleistung vorsätzlich gestohlen hat.

Weigert sich der Abgemahnte, das Werk zu entfernen oder die Zahlung zu leisten, können Sie mithilfe eines Rechtsanwalts Unterlassungsklage und Zahlungsklage erheben. Der Beklagte hat anschließend alle Anwalts- und Gerichtskosten zu übernehmen, wenn das Gericht zu Ihren Gunsten entscheidet.

Weitere Informationen rund um das Thema „Urheberrecht“ finden Sie unter www.urheberrecht.de.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit dem Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. entstanden.

 

Der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. ist der Zusammenschluss von Rechtsjournalisten und Rechtsanwälten aus ganz Deutschland, die Rechtsbeiträge zu verschiedensten Themen auf den Portalen arbeitsvertrag.org, scheidung.org, abmahnung.org und rechtsanwaltfachangestellte.org veröffentlichen.

Der Verband wurde im August 2015 von dem Rechtsanwalt Mathis Ruff in Berlin ins Leben gerufen.  Übergeordnetes Ziel ist es, umfassende Informationsportale zu schaffen, auf denen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über sämtliche relevanten Rechtsbereiche in Deutschland informieren können. Zudem wird ein deutschlandweites Anwaltsverzeichnis aufgebaut  und gepflegt. Der Verband sieht sich an dieser Stelle ausschließlich als Informationsplattform und bietet daher keine Rechtsberatung an.

 

Quellen:

http://textzaehmer.de

https://www.schreibwerkstatt.co.at

Über den Autor: Alexander

Alexander Kretschmar

Alexander Kretschmar ist als freier Rechtsjournalist für verschiedene Verbände tätig. Schwerpunkt seiner Beiträge bilden vor allem datenschutzrechtliche Fragestellungen sowie Digitalthemen.

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