Verlustanzeige: Sexiness

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Sie jammert mal wieder, die Werbebranche. Werbung sei unsexy geworden und die Auftraggeber seien Angsthasen im Umgang mit ihren Marken. Damit erklärt unlängst ein Agenturchef seinen bevorstehenden Rückzug aus der Werberei. Und nicht irgendwer, sondern Stefan Rebbe, Geschäftsführer und Namensgeber der Kreativschmiede aus der Hamburger Speicherstadt.  Hm, für wen sollte Werbung eigentlich sexy sein? Für die Zielgruppe oder für kreative Köpfe, die von der Werbeagentur als freie kommunikative Spielwiese träumen?

Oder ist es nicht doch eher der Werbekunde, der nichts sexier findet, als dass seine liebevoll gehegte Marke an Stärke gewinnt. Es ist das alte Lied: Die Profis in den Agenturen gefallen sich nicht in ihrer Rolle als Apotheker im Kommunikationsgeschäft, die mit Anzeigen, Spots und Plakaten bloß immer nur Stimmungsaufheller verabreichen. Sie wären gern die Mediziner, die ihren Kunden zunächst gründlich untersuchen, um ihnen auch unangenehme Diagnosen zu ihrer Produkt- und Markenwelt mitzuteilen. Und schließlich mit innovativen, ganzheitlichen Behandlungsansätzen zu einer robusten Markengesundheit zu verhelfen.Nur wenige Agenturen werden vom Auftraggeber in diesen Status des Mediziners befördert. Kein Wunder, Marken sind wertvoll und hochempfindlich.  Es gehört eine Menge Vertrauen in die Arbeit ihrer Betreuer. Vertrauen, das sich oft erst in einer langjährigen Partnerschaft und nach vielen Kampagnen und persönlichen Gesprächen aufbaut. Dazu hat nicht jede Agentur die Chance. Zu kurzatmig ist das Geschäft, unnachgiebig die Zielerreichungsmühle, was das Karussell der Dienstleister schnell drehen lässt.

„Ich bin doch nicht blöd!“. Dieser Slogan zielt auf den Kunden, aber für den Kreativen gilt er auch. Und um die Zukunft der Werber muss einem nicht bange sein, wenn es stimmt, was die Top-Werberin Karen Heumann dem Handelsblatt (Nr. 41/2015) anvertraut: „Wir produzieren nicht mehr nur Werbeideen, sondern wir haben so viel kreative Power, dass wir alles erdenken können, was Marken relevant macht für Menschen. Auch Services und Produkte. In Zeiten höchster Komplexität und Optionsvielfalt ist es wichtig, ein verlässlicher Kompass für den Kunden zu sein.“ Wenn das nicht sexy ist und dem künftigen Nachwuchs Mut macht…

Über den Autor: Thomas

Thomas Docter

Thomas Docter entwickelt und steuert als Redakteur und Projektleiter Media bei der IW Medien kommunikative Lösungen und Kampagnen. Dabei geht es zum einen darum, die oft komplexen Themen für Zielgruppen zu verdichten und verständlich zu machen – und dann auch den passenden Media-Mix für die Botschaft zu finden. Auf neue Ideen kommt er laufend. Oder radelnd.

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